
Es gibt nur wenige Werke, die über Jahrhunderte hinweg eine so ungebrochene Faszination auslösen wie Franz Schuberts Liederzyklus Winterreise, den er 1827, ein Jahr vor seinem Tod, komponiert hat. Der geradezu unheimlich verdichtete Ausdrucksgehalt des Werks machte es zum Gipfelpunkt der deutschen und europäischen Liedkunst.
Der Komponist Hans Zender (1936-2019) bearbeitete das Werk für Tenor und kleines Orchester. Er lehnt sich dabei eng an Schuberts Tonsprache an bezieht aber wirkungsvoll verfremdende Klangeffekte ein, die die eisige Kälte und metaphysische Düsternis des Werks noch betonen.
Seine »komponierte Interpretation« hört das historische Werk mit den Ohren des späten 20. Jahrhunderts. Die existenzielle Wucht von Schuberts Original kommt so erst eigentlich zum Vorschein. Zender macht damit die Dimensionen des Werks wieder zugänglich, die es in der Zeit seiner Komposition noch entfalten konnte, heute allerdings mehr und mehr einer verharmlosenden, genussorientierten Rezeption gewichen ist.
Schuberts Winterreise – in der Version Hans Zenders – wird am 24. Oktober um 20 Uhr in der Evangelischen Stadtkirche Ravensburg zu hören sein. w e i t ! neue musik weingarten hat dazu herausragende Interpreten verpflichtet: den Bariton Holger Falk und das Klangforum Wien unter der Leitung von Vimbayi Kaziboni.
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